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Entdeckungsreise

Römisches Theater

Das im Rhône-Tal gelegene Théâtre Antique d’Orange zählt zweifellos zu den schönsten Monumenten aus der römischen Kaiserzeit. Dieses außergewöhnliche Zeugnis der Antike, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, ist das besterhaltene Amphitheater Europas. Seinen Ruhm verdankt es vor allem der spektakulären, in der westlichen Welt einzigartigen Bühnenfassade. Ludwig XIV. bezeichnete die imposante Struktur als „schönste Mauer meines Reiches“.
Dieser zur Römerzeit renommierte Vorstellungsort steht heute Musikliebhabern aus der ganzen Welt offen.

Die Phantome des Theaters

In vier Grotten hinter den Zuschauerrängen findet die Vorstellung „Die Phantome des Theaters“ statt, die den Besuchern Höhepunkte aus der zwei Jahrtausende umspannenden Geschichte des Théâtre Antique präsentiert: Antike, Belle Epoque, Orange 75 und das Opernfestival Chorégies.

Kunst- und Geschichtsmuseum

Das Museum stellt mit einer umfassenden Sammlung an Mobiliar und Kunstgegenständen die  Geschichte der Stadt Orange von der Antike bis zum 19. Jahrhundert dar.
Der im Erdgeschoss gelegene Fürstentumssaal ("salle de la principauté") spiegelt die Vergangenheit der Stadt von der Antike bis zur Neuzeit wider. Die Säulenhalle ("salle du portique") birgt ein Meisterwerk, das Zentaurenmosaik, wie auch Reliefs, die einst die Bühnenfassade des Theaters zierten. Im Katasterraum ("salle des cadastres") sind Fragmente von drei römischen Katastern ausgestellt.
Auf der 1. Stock zeigt das Kuriositätenkabinett ("cabinet de curiosité") die bedeutenden Restaurierungsarbeiten, die im 19. Jahrhundert vorgenommen wurden. Der Bistumssaal ("salle de l’Evêché") zeugt von der Bedeutung, die Orange einst als Bischofssitz hatte, dessen Geschichte hier nachgezeichnet wird. Die nach Gasparin und des Wetter benannten Räume bringen zwei illustren Familien eine Hommage dar.
Im 2. Stock werden in den Räumen Franck Brangwyn und Albert de Belleroche Werke der beiden Künstler ausgestellt.

Ein bisschen Geschichte

Um 36 v.Chr. gründeten Veteranen von Caesars gallischer Legion Orange (lateinisch Arausio).
Das Theater der Stadt wurde als eines der ersten öffentlichen Gebäude in Gallia Narbonensis unter Augustus errichtet, in Folge eines Senatserlasses, der nunmehr Dauertheater genehmigte. Der Aufschwung des Christentums im 4. Jahrhundert brachte Verbote heidnischer Kulte und Vergnügungen mit sich. Orange wurde Bischofssitz und das Theater geschlossen, bevor es die Barbareninvasionen im 5. Jahrhundert zerstörten. Im Mittelalter wurde es geplündert und schließlich in einen Verteidigungsposten verwandelt. Erst im 12. Jahrhundert fanden im Theater erneut Vorstellungen statt, die von Wanderbühnen und in Form geistlicher Spiele unter Schirmherrschaft der Kirche gegeben wurden.

Nach den Verwüstungen der Religionskriege nahm die Stadtbevölkerung rapide zu und Wohnhäuser wurden innerhalb der Theatermauern gebaut. Die Revolution sollte dort dann sogar Kerker einrichten.

Im 19. Jahrhundert nahm das Theater seine ursprüngliche Funktion wieder auf. 1825 leitete Prosper Mérimée, damals Inspektor Historischer Monumente, ein aufwendiges Renovierungsprogramm ein. Im teilweise restaurierten Theater wurden 1869 die „Fêtes Romaines“ oder Römischen Spiele aufgeführt. Ab 1902 fand diese Veranstaltung unter dem Namen „Chorégies“ jährlich statt, aus der 1971 das heutige Opernfestival „Nouvelles Chorégies“ hervorgehen sollte.